Mein Selbstbau-Heli

So ein Eigenbau ist ja ausgesprochen charakterbildend. Lange bevor es in die Luft geht, müssen irdische Hochs und Tiefs „durchflogen“ werden. Mit Denkarbeit, Irrtümern, Motivations-Einbrüchen und solchem mehr. Taucht dann aber irgendwann am Horizont der Zielstrich auf, ist alles vergessen. Für den Endspurt werden ungeahnte Kräfte frei. Und erst die Stunden in der Luft – sie entschädigen einfach für alles. Als hätten die Selbstzweifel, der Schweiss, die schlaflosen Nächte gar nie stattgefunden.

Hier für alle, die es interessiert, mein Zeitraffer: Drei Jahre in wenige Minuten geklemmt. Mit allen nicht mehr benötigten Cleco’s und Schraubzwingen 😉

Das ist ein Heli. Allerdings noch inkognito in vielen Kisten. Von der Max Dätwyler AG in Bleienbach für mich importiert. Mit dem AVIS Kleinlaster am 12. Februar 1993 daselbst abgeholt und in die Werkstatt geräumt

Die Wand ist gleichzeitig ein Motivations-Barometer: Je weniger Teile, desto mehr Heli

Voilà – steht doch schon auf eigenen Beinen

Kleinvieh macht auch Mist

Der Einbau der Steuerung. Man beachte die deLuxe-Pedale (bei Swissair prächtig verchromt. Die gab’s nämlich damals noch)

Im Frühling 1994, sozusagen als Motivationsspritze, eine Woche Flight Training im Rotorway-Werk in Chandler Arizona. Draussen auf dem verlassenen „Gila River Memorial Airfield“ werden wir von Stretch Wolter gedrillt, dem 1 Meter 90 grossen Rotorway-Factotum… Einfach genial anzuschauen, wie der sich jeweils in das kleine Ding reinfaltet

Der Rotorkopf. Kluger Kopf – an ihm hängt das Ganze. Sogar das Leben…

Das „back end“: Da fehlt nur noch etwas Farbe…

…voila – Heckrotor betriebsbereit

Detailarbeit: Zeitraubend, aber von steigender Vorfreude begleitet

Jetzt noch die teuren Dinger fürs Panel: VHF, X-Ponder, InterCom. Den Kabelbaum hat mir Kürzi Avionics in Lommis perfekt auf Mass hergestellt

Motoreinbau: Ziemlich eng da drin

Haube anpassen, Cleco’s wie ein Stachelschwein. Aber es geht voran. Auch wenn an der Wand noch so allerhand rumhängt

Alle Verschalungen wurden getrimmt, angepasst, verbohrt, wieder abgenommen und in der Spritzkabine von Fliegerfreund Josef Pasinelli perfekt gespritzt. („Pasi“ ist 2016 bei einer Notlandung mit seiner Glasair tragisch ums Leben gekommen. Danke für deine Hilfe, Pasi. RIP.) 

So. Jetzt aber raus aus der Garage, an die frische Luft. Zum Probelauf des Motors

Der Uhrenladen kann sich sehen lassen

Gerade noch rechtzeitig – ein Bulletin vom Werk: In die Hauptrotorblätter muss eine zusätzliche Reihe von Nieten rein. Irgendwo in Indonesien ist an einem Rotorblatt eine Delamination der geklebten Beplankung eingetreten. Nichts Fatales passiert, bloss Vibrationen, dass dem armen Kerl die Plomben aus den Zähnen kamen. So er denn welche hatte…

Beschläge dran, Blätter gespritzt, einbaubereit

Die Türen sind auch eingepasst (samt drehbaren Vent-Öffnungen). Ebenso die Verkleidungen der Kufen-Beine  

Zeit für die finale „Züglete“. Von Feldmeilen geht’s zur Rhein-Heli nach Balzers, Huckepack auf Jürgel Preisigs Anhänger. Dessen HB-YFW  zu dieser Zeit schon eine ganze Weile flügge ist

Noch „on the road“, aber bald „in the air“

Im Hangar in Balzers montieren wir gemeinsam die Blätter. (Hier noch ohne „push-rods“)

Alles wird mit Hilfe von Jürgel Preisig (4-Augen-Prinzip) nochmals genau angeschaut. Derweil sich „Fox-Whisky“ über die Gesellschaft von „Golf-Uniform“ offensichtlich freut

Jetzt die Standläufe: Stimmt das Tracking der Blätter, keine Vibrationen? Alles dicht um den Motor, Temperaturen im grünen Bereich, die Steuerung leichtgängig und gut anzufühlen?

Schliesslich noch der Vorschlag für’s Logo. Von Grafikerfreund Daniel Obrist entworfen und per Diaprojektor anprobiert, um Grösse und Positionierung der Klebefolien festzulegen

Das Endergebnis, hier zu Besuch auf der Flying Ranch in Triengen. Sieht pfiffig aus, nicht? Und fliegt sich erst noch super

Da fällt mir ein – vielleicht wunderst du dich schon die ganze Zeit, warum mein Heli auf den exotisch klingenden Namen „Jonathan Livingstone Seagull“ hört? Ganz einfach: Ich bin ein Bewunderer des US-Piloten und Schriftstellers Richard Bach. Das Buch „Möwe Jonathan“ (deutscher Titel) ist sein wohl bekanntestes Werk, mit Millionenauflagen. 

Die eigenwillige Möwe „Jonathan Livingstone“, die lieber Sturzflüge macht und Akrobatik trainiert, als brav mit dem Schwarm zu fliegen, hat es mir angetan.

Die Geschichte wurde übrigens auch verfilmt. Und die Musik dazu ist von keinem Geringeren als Neil Diamond, darunter auch der schöne Song „Lonely looking sky…“

Hier reinhören: https://www.youtube.com/watch?v=zthqLVeyjOA

Wenn dich die Erlebnisse und Geschichten von Richard Bach ebenfalls interessieren, findest du hier seine Bücher: https://www.amazon.de/Richard-Bach/e/B000AQ3C7C

Jonathan Livingstone Seagull „high in the sky“

Und beim Wintersport. Hier in Bad Ragaz

Alles da, was man so braucht